Einstellen von Drahtgeschwindigkeit, Spannung und Vorschub beim Diamantdrahtsägen

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Einleitung: Das “Goldene Dreieck” des Schneidens

Das Schneiden mit Diamantdrahtsägen ist nicht von einer einzigen Einstellung oder Abkürzung abhängig. Schnittstabilität und Oberflächenqualität werden durch das Zusammenspiel dreier Parameter bestimmt: Drahtgeschwindigkeit, Drahtspannung und Vorschubgeschwindigkeit.

Diese drei Variablen bilden das, was Ingenieure gemeinhin als das “goldene Dreieck” der Parameter für das Schneiden mit Diamantdrahtsägen bezeichnen.

Durch die Änderung der Drahtgeschwindigkeit ändert sich die von jedem Diamantkorn abgegebene Energie.

Durch die Veränderung der Drahtspannung ändert sich die geometrische Steifigkeit des Drahtes und seine Widerstandsfähigkeit gegen Durchbiegung.

Eine Änderung der Vorschubgeschwindigkeit beeinflusst die Spanbelastung, die Schnittkraft und die Produktivität.

Diese Schnittparameter stehen in engem Zusammenhang mit der innerer Aufbau der Diamantdrahtsägemaschine, einschließlich des Antriebssystems, des Spannsystems und der Anordnung der Führungsräder.

Prinzip des Endlosschleifen-Diamantdrahtsägens mit kontinuierlicher Diamantdrahtbewegung, Antriebsrädern und stabilem Schnittweg
Prinzip des Endlos-Diamantdrahtsägens mit kontinuierlicher Drahtbewegung und stabiler Schnittbahn.

1. Drahtgeschwindigkeit: Steuerung des Materialabtragverhaltens

Die Drahtgeschwindigkeit bestimmt, wie schnell der Diamantdraht über die Führungsrollen und durch die Schneidzone läuft. Sie ist einer der Hauptfaktoren für die Effizienz des Materialabtrags.

1.1 Wie die Drahtgeschwindigkeit das Schneiden beeinflusst

Eine höhere Drahtgeschwindigkeit erhöht die Anzahl der Diamantkornkontakte pro Sekunde. Dadurch wird die Geschwindigkeit erhöht, mit der Material abgetragen und zerkleinert wird.

Bei harten und spröden Werkstoffen wie Siliziumkarbid, Saphir und Hochleistungskeramik ist eine höhere Drahtvorschubgeschwindigkeit unerlässlich. Bei erhöhter Geschwindigkeit bewirken die Diamantkörner einen Sprödbruch anstelle eines duktilen Pflügens, wodurch Material effizient abgetragen und gleichzeitig die normale Schnittkraft auf den Draht reduziert werden kann.

Bei weicheren oder wärmeempfindlichen Materialien wie Silizium, optischem Glas und Graphit ist eine moderate Drahtvorschubgeschwindigkeit empfehlenswert. Zu hohe Geschwindigkeiten erhöhen die Reibungswärme, was zu Schäden im Untergrund oder thermischen Mikrorissen führen kann.

1.2 Praktische Drahtgeschwindigkeitsbereiche

In der Praxis liegen typische Drahtvorschubgeschwindigkeitsbereiche bei:

  • Harte und spröde Materialien: etwa 40 bis 60 Meter pro Sekunde
  • Mittelweiche und weichere Materialien: etwa 20 bis 40 Meter pro Sekunde

Der Betrieb außerhalb dieser Bereiche ist in der Regel kontraproduktiv. Bei extremen Geschwindigkeiten wird die Kühlmittelzufuhr aufgrund der Luftbarriere um den Draht unwirksam, und Vibrationen durch den Rundlauf des Führungsrades werden deutlicher.


2. Drahtspannung: Herstellung geometrischer Steifigkeit

Ein Diamantdraht besitzt keine inhärente Steifigkeit. Die Drahtspannung sorgt für die nötige Steifigkeit und ermöglicht es dem Draht, eine gerade Schneidebahn beizubehalten.

Endlos-Diamantdrahtsägemaschinen arbeiten mit deutlich höheren Drahtgeschwindigkeiten als oszillierende Drahtsägen. Daher ist eine wesentlich höhere Drahtspannung erforderlich, um den Zentrifugalkräften entgegenzuwirken und seitliche Instabilität zu verhindern.

2.1 Warum eine hohe Spannung erforderlich ist

Die Rückstellkraft, die einen Draht gerade hält, ist proportional zur angelegten Spannung und umgekehrt proportional zum freien Abstand zwischen den Führungsrollen. Ist die Spannung zu gering, verhält sich der Draht wie ein lockeres Gummiband und biegt sich unter der Schneidlast leicht durch.

Übermäßiges Durchbiegen führt direkt zu unsauberen Schnittkanten und Dickenschwankungen. In schweren Fällen beschleunigt zyklisches Biegen die Materialermüdung und verursacht Drahtbruch.

2.2 Referenzspannungsbereiche für endlose Drahtschleifen

Typische Referenzwerte für die Zugkraft von endlosen Diamantseilen sind:

  • 0,3 mm Drahtdurchmesser: ungefähr 120 bis 135 Newton
  • 0,4 mm Drahtdurchmesser: ungefähr 140 bis 160 Newton
  • 0,5 mm Drahtdurchmesser: ungefähr 150 bis 170 Newton
  • 0,6 mm Drahtdurchmesser: ungefähr 160 bis 180 Newton

Diese Werte gelten speziell für geschlossene Diamantseilsysteme. Die tatsächliche Betriebsspannung sollte deutlich unter der Bruchfestigkeit des Drahtes liegen, typischerweise innerhalb von 40 bis 50 Prozent der Nennbruchlast, um eine Sicherheitsreserve für Stoßbelastungen beim Schneiden zu gewährleisten.

Das Vorschubverhalten wird auch beeinflusst durch Zuführsystem und Steuerungslogik, insbesondere wenn eine adaptive lastbasierte Regelung eingesetzt wird.


3. Vorschubgeschwindigkeit: Ausgewogene Produktivität und Stabilität

Die Vorschubgeschwindigkeit bestimmt, wie schnell der Draht in das Material vordringt. Dieser Parameter hat den größten Einfluss auf die Zykluszeit und birgt bei falscher Einstellung das höchste Ausfallrisiko.

3.1 Die Biegebeschränkung

Die Vorschubgeschwindigkeit darf die Schneidleistung des Drahtes nicht überschreiten. Bei zu hoher Vorschubgeschwindigkeit führt der Schneidwiderstand zu einer Rückbiegung des Drahtes.

Sobald die Drahtbiegung einen kleinen kritischen Bereich überschreitet, schneidet der Draht nicht mehr vertikal. Stattdessen beginnt er seitlich abzudriften, was zu keilförmigen Schnitten und einer rasch ansteigenden Zugspannung führt. Eine fortgesetzte Zuführung unter diesen Bedingungen führt fast immer zum Drahtbruch.

3.2 Praktische Vorschubgeschwindigkeitsbereiche

Die empfohlenen Anfangsvorschubgeschwindigkeiten variieren je nach Material:

  • Siliziumkarbid und Saphir: etwa 0,2 bis 0,8 Millimeter pro Minute
  • Glas und Quarz: etwa 2,0 bis 5,0 Millimeter pro Minute
  • Hochdichtes Graphit und ähnliche Materialien: etwa 10 bis 30 Millimeter pro Minute

Die Vorschubgeschwindigkeit sollte stets schrittweise erhöht werden, während die Spindelbelastung und das Drahtverhalten überwacht werden.

3.3 Variable Fütterungsstrategien

Bei quadratischen oder großen Blöcken ändert sich die effektive Kontaktlänge zwischen Draht und Material während des Schneidvorgangs. Moderne Vorschubstrategien berücksichtigen diese Variation.

Eine reduzierte Vorschubgeschwindigkeit beim Eintritt minimiert den Stoß. Im mittleren Schnittbereich, wo der Kontakt am längsten und der Widerstand am höchsten ist, kann die Vorschubgeschwindigkeit erhöht werden. Kurz vor dem Austritt sollte die Vorschubgeschwindigkeit erneut reduziert werden, um Ausbrüche an der Schnittkante zu vermeiden.


4. Anwendung des Goldenen Dreiecks zur Fehlerbehebung

Wenn Schnittfehler auftreten, ist in der Regel einer der drei Hauptparameter dafür verantwortlich.

Drahtbrüche deuten häufig auf eine zu hohe Vorschubgeschwindigkeit oder eine zu hohe Spannung hin, die die zulässigen Grenzen überschreitet.

Oberflächenwelligkeit entsteht typischerweise durch unzureichende Spannung oder Resonanz zwischen Drahtgeschwindigkeit und Maschinenstruktur.

Konische Schnitte entstehen am häufigsten durch eine zu hohe Vorschubgeschwindigkeit, die zu einer Verbiegung des Drahtes führt.

Stumpfe Schnitte oder Drahtglasur können auf eine zu hohe Drahtgeschwindigkeit im Verhältnis zur Vorschubgeschwindigkeit hinweisen.

Eine effektive Fehlersuche erfordert stets die Anpassung von Parametern als System und nicht isoliert.


5. Rezepte für Startparameter (Nur als Referenz)

Die folgenden Beispiele dienen lediglich als erste Anhaltspunkte. Die tatsächlichen Werte müssen anhand der Drahtspezifikation und der Maschinenkonfiguration überprüft werden.

Siliziumkarbid

Drahtdurchmesser: 0,35 mm

Drahtgeschwindigkeit: ungefähr 50 Meter pro Sekunde

Drahtspannung: ca. 130 Newton

Vorschubgeschwindigkeit: ca. 0,3 Millimeter pro Minute

Kühlmittel: Hochdruck-Kühlmittel auf Wasserbasis

Optisches Glas

Drahtdurchmesser: 0,30 mm

Drahtgeschwindigkeit: ungefähr 35 Meter pro Sekunde

Drahtspannung: ca. 125 Newton

Vorschubgeschwindigkeit: ca. 3,0 Millimeter pro Minute

Kühlmittel: Kühlmittel auf Wasserbasis

Hochdichtes Graphit

Drahtdurchmesser: 0,50 mm

Drahtgeschwindigkeit: ungefähr 40 Meter pro Sekunde

Drahtspannung: ca. 160 Newton

Vorschubgeschwindigkeit: ca. 15,0 Millimeter pro Minute

Kühlmethode: Trockenschneiden mit Staubabsaugung


Abschluss

Die Einstellung der Schnittparameter einer Diamantdrahtsäge ist kein Ratespiel. Es handelt sich um ein kontrolliertes physikalisches Gleichgewicht.

Die Drahtgeschwindigkeit liefert die Schneidenergie.

Die Drahtspannung gewährleistet geometrische Genauigkeit und Stabilität.

Die Vorschubgeschwindigkeit bestimmt die Produktivität und die Schnittlast.

Ein erfahrener Bediener überwacht die Spindelbelastung kontinuierlich. Steigt die Belastung, signalisiert der Draht eine zu hohe Spannung. Durch Reduzieren des Vorschubs oder Anpassen der Drahtvorschubgeschwindigkeit werden Drahtstandzeit und Schnittgenauigkeit erhalten.

Diese Parametereinstellungsprinzipien werden im gesamten System angewendet. Diamantdrahtsäge-Schneidverfahren, Von der Einrichtung und Fixierung bis hin zum stabilen Schneiden.


FAQ

Frage 1: Warum benötigen endlose Diamantdrahtsägen eine so hohe Spannung?

Endlosdrahtsysteme arbeiten mit sehr hohen linearen Geschwindigkeiten. Ohne ausreichende Spannung führen Zentrifugalkräfte zu einer Ausdehnung und Vibration der Drahtschleife. Eine hohe Spannung ist daher unerlässlich, um einen stabilen Schnittweg zu gewährleisten.

Frage 2: Führt eine höhere Drahtvorschubgeschwindigkeit immer zu einer höheren Schneidleistung?

Nein. Eine zu hohe Drahtvorschubgeschwindigkeit kann dazu führen, dass die Diamantkörner aneinander reiben, anstatt zu schneiden, was zu Glasurbildung führt. In manchen Fällen verbessert eine leichte Reduzierung der Geschwindigkeit den Materialabtrag.

Frage 3: Woran kann ich erkennen, ob die Vorschubgeschwindigkeit zu hoch ist?

Typische Anzeichen sind steigende Spindelbelastung, sichtbare Drahtbiegung, Stufenmarken an der Oberfläche und Verjüngung. Eine sofortige Reduzierung der Vorschubgeschwindigkeit beugt Drahtbrüchen vor.

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